Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Rudolf Baumbach >

Horand und Hilde

Rudolf Baumbach: Horand und Hilde - Kapitel 1
Quellenangabe
pfad/baumbach/horand/horand.xml
typepoem
authorRudolf Baumbach
titleHorand und Hilde
publisher
correctorfranka.antenne@gmx.de
senderwww.gaga.net
created20090308
projectid7dcaccf1
Schließen

Navigation:
Buchschmuck

I.

Das wundersame Schiff

Nun wollet mit mir lauschen
Uraltem Heldensang.
Bald hört ihr Wellen rauschen,
Bald süssen Saitenklang,
Bald hört ihr Becher klirren
Im weiten Königssaal,
Bald scharfe Klingen schwirren
Von felsenhartem Stahl.

Es zog am Himmelsbogen
Empor das Sonnenross,
Und auf des Nordmeers Wogen
Ein rother Schein sich goss;
Der Frühwind kam, der scharfe,
Der leis die See bewegt,
Wie wenn die goldne Harfe
Ein Sänger prüfend schlägt.

Bald schmückte jede Welle
Ein Krönlein silberklar,
Es stieg zur Tageshelle
Herauf der Fische Schaar,
Es regte das Gefieder
Der Ufervögel Brut,
Die Möven stiessen nieder
Und tauchten in die Fluth.

Ein Kranz von dunklen Klippen
Sich aus dem Wasser hob,
Und um der Felsen Rippen
Sich grüner Meertang wob.
Dort lagen an dem Strande
Der plumpen Robben viel,
Die trieben in dem Sande
Ihr ungefüges Spiel.

Jetzt hoben die geschreckten
Sich halben Leibs empor,
Den kurzen Hals sie reckten
Und wandten scheu das Ohr.
Dann stürzten sie kopfüber
In's Wasser sich vom Riff,
Und rauschend zog vorüber
In voller Fahrt ein Schiff.

Sein Rumpf glich einem Drachen,
Der auf dem Wasser schwamm,
Das Haupt mit offnem Rachen
Trug einen goldnen Kamm,
Es warfen rothe Blitze
Die Schuppen vorn am Bug,
Und eine goldne Spitze
Des Schweifes Ende trug.

Noch möcht ihr hören sagen
Der Wunderdinge viel:
Mit Silber war beschlagen
Des Schiffes krummer Kiel,
Lichtblau war seine Flanke,
Umwallt vom weissen Schaum;
Der Mast, der hohe, schlanke
War ein Cypressenbaum.

Ein Segel hing von oben,
Das glänzte wie der Schnee,
Aus Seide war's gewoben
Im fernen Arabe.
Gleich einer rothen Zunge
Ein Zeichen flog am Mast,
Drein war ein Leu im Sprunge
Gestickt mit Goldesglast.

Es spann von Purpurtauen
Ein Netz sich über's Schiff,
Von Silber war zu schauen
Des Steuerruders Griff,
An Silberketten hingen
Die Silberanker schwer;
Es war ein lustig Klingen
Von Silber rings umher.

Ein Riese stand am Steuer,
Aus Fellen war sein Kleid,
Sein Auge sprühte Feuer,
Sein Bart war ellenbreit.
Sein Haar mit Greisenfarbe
Gesprenkelt war's genug,
Und manche rothe Narbe
Sein grimmes Antlitz trug.

Viel wetterbraune Recken,
Wohl fünfzig an der Zahl,
Gestreckt auf Wollendecken
Erlabten sich am Mahl.
Aus Silberschüsseln speisten
Sie Fleisch und Speck vom Schwein,
Und Auerhörner kreisten
Mit Meth gefüllt und Wein.

Wie unter'm Mövenvolke
Ein Schwanenvogel schwebt,
Wie aus der grauen Wolke
Der lichte Mond sich hebt,
So sah man einen gehen
Den andern Degen vor,
Wie Balder schön zu sehen
Und stark wie Asathor.

Er stand im Scharlachkleide
Geschmückt mit Kett' und Ring,
Sein Schwert in goldner Scheide
Am breiten Gürtel hing;
Von dunklen Otterfellen
Des Helden Kappe war,
Darunter quoll in Wellen
Hervor das lichte Haar.

Das Horn mit weitem Runde
Von Silberreifen schwer,
Er hob's empor zum Munde
Und trank es langsam leer.
Dann durch die Harfe leise
Glitt seiner Finger Lauf;
Da ward es still im Kreise,
Und Alle horchten auf.

Die Harfe stärker rauschte,
Zu singen fing er an;
In blauer Tiefe lauschte
Die lilienweisse Ran,
Es ward herbeigezogen
Der Wellenmaide Schaar,
Und Oegir aus den Wogen
Hob sein bekränztes Haar.

Es sass auf Segelstangen
Der Vögel lauschend Heer,
Die Silberfische sprangen
Wie Funken über's Meer.
Aufhorchend strich der schnelle
Delphin das Schiff entlang,
Es schwieg der Hall der Welle,
Der Recke aber sang:

      Verzaubert ruht
      Auf goldnem Schild
      Umwallt von Gluth
      Im Schlaf Brunhild.
       Es ist geschehen
      Nach Wodens Gebot:
      Die Jahre vergehen.
      Das Feuer loht.

      Sigfrid, der wilde
      Durchs Feuer springt
      Und um Brunhilde
      Die Arme schlingt.
      Nach langer Nacht
      Spätmorgenroth! –
      Brunhild erwacht,
      Das Feuer loht.

      Der junge Degen
      Wird liebeswund.
      Ihm blüht entgegen
      Der Jungfrau Mund,
      Es zwingt sie zusammen
      Der Minne Noth;
      Die Wangen flammen,
      Das Feuer loht.

      Die Liebe stirbt,
      Das Leid beginnt.
      Held Sigfrid wirbt
      Frau Utens Kind.
       O wache, wache!
      Verderben droht
      Brunhildens Rache.
      Das Feuer loht.

      Erschlagen liegt
      Siglindens Sohn.
      Sein Geist entfliegt
      Zu Wodens Thron.
      Brunhild verhaucht
      Im Flammentod. –
      Der Holzstoss raucht,
      Das Feuer loht.

Buchschmuck

Die Töne leis verklangen,
Da riefen rings umher
Die Männer voll Verlangen;
»Held Horand, sing' uns mehr!«
Und durch die Saiten wieder
Glitt sacht des Sängers Hand,
Da rief's vom Mastkorb nieder
Mit geller Stimme: »Land!«

Aufsprangen alle Recken,
Und Horands Harfe schwieg.
Im Nord aus Nebeldecken
Ein Schneegebirge stieg.
Das Steuer liess der Alte,
Am Bugspriet stand er vorn,
Und seine Stimme hallte
Stark wie ein Büffelhorn:

»Nun weichet ohne Säumen
Ihr Helden allzumal
Und waffnet in den Räumen
Die Glieder euch mit Stahl
Und sorget, dass vom Strande
Kein Wächter euch erspäht
Und dass vom Stahlgewande
Kein Klirren euch verräth.«

Da bargen sich die Degen
Nach ihres Herrn Gebot
Wie Tauchervögel pflegen,
Wenn sie ein Aar bedroht.
Vom Maste musste weichen
Der Leu zum Sprung gereckt;
Ein weisses Friedenszeichen
Ward droben aufgesteckt.

Die Ruderknechte refften
Das Segeltuch geschwind;
Das Schiff mit halben Kräften
Ging langsam vor dem Wind.
Es hielt der graue Streiter
Des Steuerruders Griff
Und lenkte sicher weiter
Das wundersame Schiff.

Buchschmuck
 Kapitel 2 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.