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Gedichte

Achim von Arnim: Gedichte - Kapitel 1
Quellenangabe
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typepoem
authorAchim von Arnim
titleGedichte
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
seriesAchim von Arnims Werke
editorReinhold Steig
volumeDritter Band
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20091115
projectidc4abe48c
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Kriegslieder

Diese Kriegslieder verteilte Achim von Arnim anfangs Oktober 1806 in Göttingen an die durchmarschierenden Truppen Blüchers und Rüchels.

1

Frisch auf, ihr preußischen Soldaten!
Ihr, die ihr noch mit deutschem Blut,
Ihr, die ihr noch mit frischem Mut
Belebet suchet große Taten,
Ihr Landsleut', ihr Brüder, frisch auf!
Deutschland, die Freiheit sich verlieret,
Wo ihr nicht mutig schlaget drauf
Und überwindend triumphieret.

Der ist ein Deutscher wohlgeborn,
Der von Betrug und Falschheit frei
Hat, voll der Redlichkeit und Treu,
Nicht Glauben, nicht Freiheit verloren;
So straf du, preußisch Herz und Hand,
Nun die Tyrannen und die Bösen;
Die Freiheit und das Vaterland
Ist nur durch ihren Tod zu lösen.

Ha, fallet in sie, ihre Fahnen
Zittern aus Furcht, sie trennen sich,
Ihr' böse Sach' heilt nicht den Stich,
Drum zu der Flucht sie sich schon mahnen.
Groß ist ihr Heer, klein ist ihr Glaub',
Gut ist ihr Zeug,Zeug: Geschütz, Kanonen. bös' ihr Gewissen,
Frisch auf! Sie zittern wie das Laub
Und wären gern schon ausgerissen.

2

Kein sel'ger Tod ist in der Welt,
Als wer vorm Feind erschlagen
Auf grüner Heid' in freiem Feld
Darf nicht hören groß Wehklagen.

Im engen Bett er sonst allein
Muß an den Todesreihen,
Hier aber ist Gesellschaft fein,
Fall'n mit wie Kräuter im Maien.

Kein einz'ger Tod mir so gefällt!
Wer da mit Klang begraben,
Der wird das große Schlachtenfeld
Zum Denkmal ewig grün haben.

Da denk und ruf ich, wenn ich sterb,
Viktoria den andern,
Da ist der Todestrank nicht herb,
Da muß das Gläschen noch wandern.

3

So gehe tapfer an, mein Sohn, mein Kriegsgenosse,
Schlag ritterlich darein, dein Leben unverdrossen
Fürs Vaterland aufsetz, von dem du frei es auch
Zuvor empfangen hast, das ist der Preußen Brauch.
Dein Herz und Auge laß mit Eifers Flammen brennen,
Kein' menschliche Gewalt wird dich vom andern trennen,
Es weht von deinem Haupt die Fahne bald hinweg
Der Jugend Übermut, der Unordnung erweckt.

Kannst du nicht fechten mehr, du kannst mit deiner Stimme,
Kannst du nicht rufen mehr, mit deiner Augen Grimme
Den Feinden Abbruch tun, in deinem Heldenmut
Nur wünschend, daß du teu'r verkaufen mögst dein Blut.
Im Feuer sei bedacht, wie du das Lob erwerbest,
Daß du in männlicher Postur und Stellung sterbest,
An deinem Ort bestehst fest mit den Füßen dein,
Und beiß die Zähn' zusamm' und beide Lefzen ein.

Daß deine Wunden sich lobwürdig all' befinden
Davorne auf der Brust und keine nicht dahinten,
Daß dich dein Feind, der Tod, im Tod bewundernd zier',
Dein Vater im Gesicht dein ernstes Leben spür'.
Mein Sohn, wer Tyrannei geübriget will leben,
Muß seines Lebens sich freiwillig vor begeben,
Wer nur des Tods begehrt, wer nur frisch geht dahin,
Der hat den Sieg und dann das Leben zu Gewinn.

4

Wir preußisch Dragoner durchstreifen die Welt,
Wir jagen wie Sturmwind ins weite Feld,
Wir wollen marschieren dem Feinde entgegen,
Damit wir ihm heute den Paß noch verlegen.

Wir haben ein Glöcklein, das läutet so hell,
Ist straff überzogen mit gelblichem Fell,
Und wenn ich das Glöcklein nur läuten gehört,
So heißt es: »Dragoner, auf euere Pferd!«

Wir haben ein Bräutlein uns alle erwählt,
Das lebet und schwebet ins weite Feld,
Das Bräutlein, das wird die Standarte genannt,
Das ist uns Dragonern wohl allen bekannt.

Und als dann die Schlacht vorüber heut war,
Da einer den andern wohl sterben sah,
Schrie einer zum andern: »Ach Jammer, Angst und Not,
Mein lieber Kamerad ist geblieben tot!«

Das Glöcklein, das klinget auch nicht mehr so hell,
Es ist ihm zerschossen sein gelbliches Fell,
Das silberne Bräutlein ist uns doch geblieben,
Es tuet uns winken, was hilft das Betrüben!

5

Es ist nichts lust'ger auf der Welt
Und auch nichts so geschwind,
Als wir Husaren in dem Feld,
Wenn wir beim Schlachten sind.
Wenn's blitzt und kracht dem Donner gleich,
Wir schießen rosenrot,
Wenn's Blut uns in die Augen läuft,
Da werden wir mal toll.

Da heißt's: »Husaren, insgemein
Schlagt die Pistolen an,
Greift durch, den Säbel in der Hand,
Haut durch den nächsten Mann.
Wenn ihr das Fransche nicht versteht,
So macht es euch bequem,
Das Reden ihm sogleich vergeht,
Wie ihr den Kopf abmäht.«

Wenn gleich mein treuer Kamerad
Muß bleiben in dem Streit,
Husaren fragen nichts darnach,
Sind auch dazu bereit;
Der Leib verweset in der Gruft,
Der Pelz bleibt in der Welt,
Die Seele schwingt sich durch die Luft
Ins blaue Himmelszelt.

6

Ein' feste Burg ist unser Gott,
Ein' gute Wehr und Waffen,
Er hilft durch uns euch aus der Not,
Die, Deutsche, euch betroffen;
Der alte, böse Feind
Mit Ernst es jetzt meint,
Groß Macht und viel List
Sein grausam Rüstung ist,
Auf Erd' ist nicht seinsgleichen.

Und wenn die Welt voll Teufel wär
Und wollten uns verschlingen,
Das fürchten Preußen nimmermehr,
Es soll uns doch gelingen;
Der Feind von dieser Welt,
Wie wild er sich stellt,
Tut er uns doch nichts,
Er scheuet ja das Licht,
Ein Schuß, der kann ihn fällen.

Gott Ehr' und Preis, der euch zu gut
Den Feind durch uns will schlagen
Und über uns hat treue Hut
Auf seinem Feuerwagen;
Sein ganz himmlisch Heer
Rondet um uns her.
Lobsingt, lobsinget ihm,
Lobsingt mit heller Stimm':
»Ehr' sei Gott in der Höhe!«

Sein Werk sie sollen lassen stehn,
Kein' Dank dafür nicht haben,
Wir haben es wohl eingesehn
Mit seinem Geist und Gaben.
Nehmen sie den Leib,
Gut, Blut, Kind und Weib,
Laß fahren dahin,
Sie haben's keinen Gewinn,
Das Reich muß Deutschen bleiben.

Lob, Ehr' und Preis sei seiner Macht,
Sein ist die ew'ge Feste,
Er wacht und schildert Tag und Nacht,
Daß alles geht aufs beste.
Jesus ist sein Wort,
Parol', Kommandowort,
Ihn ruft Wacht zu Wacht
Zum Trost durch die Nacht,
Bis alle Vögel ihm singen.

7

Auf, auf, Kameraden zu Fuß und zu Pferd,
Ins Feld, in die Freiheit gezogen!
Im Felde da ist der Preuße was wert,
Da wird sein Herz noch gewogen,
Da tritt kein andrer mit ihm ein,
Auf sich selber steht er da fest und allein.

Aus der Welt der Deutsche verschwunden ist,
Da sind nur Franzosen und Knechte,
Die Falschheit herrschet, die Hinterlist
Übers feige Menschengeschlechte,
Wer dem Tod ins Angesicht schauen kann,
Der Soldat allein ist der freie Mann.

So werfet des Lebens Ängste hinweg,
Wer hat was zu fürchten, zu sorgen?
Wir reiten dem Schicksal entgegen keck,
Trifft's heut nicht, so trifft es doch morgen,
Und trifft es morgen, so lasset uns heut
Noch schlürfen die Neige der köstlichen Zeit.

Die Welt steckt auf der Degenspitz',
Glück auf, wer den Degen noch führet,
Er sticht sie auf, was ist sie nütz,
Als daß sie den Degen noch zieret!
Von dem Degen fällt das lust'ge Los
Der Allerscheusten dann in den Schoß.

Was weinet die Dirne, zergrämet sich schier?
Laß fahren dahin, laß fahren!
Ich habe auf Erden kein Standquartier,
Muß Treu den Kam'raden bewahren;
Das rasche Schicksal, es treibet mich fort,
Meine Ruhe laß ich an keinem Ort.

Mein Degen und mein schnelles Roß,
Das sind gefürchtete Gäste;
Es flimmern die Kronen im hohen Schloß,
Ungeladen komm ich zum Feste,
Ich klopf mit dem Säbel nur an die Tür,
Franzosen die fang ich zu Dutzend hier.

Drum frisch, Kameraden, den Rappen gezäumt,
Die Brust im Gefechte geluftet!
Die Jugend brauset, das Leben schäumt,
Frisch auf! eh der Geist noch verduftet.
Und setzet ihr nicht das Leben ein,
Nie wird euch das Leben gewonnen sein.

8

Mel.: God save the King.

Lebet, ihr Preußen, hoch,
Sterb' die Franzosenbrut,
Die uns belog;
Preußen, in Himmelsglut
Trinket der Feinde Blut,
Deutschland mein Vaterland
Löset von Schand'.

Hört ihr den tiefen Klang,
Schauert euch Feinden bang?
Herz aus uns sang,
Blut in die Wangen drang,
Wut in den Sehnen rang,
Wonne, es stürmt das Horn
Gegen euch Zorn.

Eilende Schützen ziehn,
Treffende Blicke glühn,
Klug, rasch und kühn;
Weihet den Schützen ein,
Deckt ihn mit Kranzes Schein,
Der den Tyrannen traf,
Sinkend in Schlaf.

Jubelnd sein Tod erscholl,
Dränget die Lücken voll,
Kugel, nun roll;
Grase am Boden toll,
Tod ist des Lebens Zoll,
Zahlet des Vaterlands
Kühlenden Sand.

Dringt bei dem Abendstern
Mit Bajonetten ein,
Schaut euren Stern;
Schlucket die Spieße ein,
Krankheit ist böse Pein,
Wer in die Spieße sinkt,
Himmelstau trinkt.

Schaut, wie in heller Flucht
Eilen sie selbst zur Schlucht,
Die wir besetzt;
Seht die Kanone da,
Reißet sie fern und nah,
Wie sich das Tier ergötzt,
Zähne dran wetzt.

Schauet im Mondenschein
Ruhend beim Dämmerhain
Feindes Gebein.
Höret den Siegsgesang,
Der von den Brüdern klang;
Feinde nur stöhnen bang,
Wonnegesang!

Jenseits vom breiten Rhein
Uns die Trompeten dräun,
Laßt sie nur schrein;
Wär' es das weite Meer,
Nimmer verweilt das Heer,
Löset, wo deutsches Land,
Jegliche Schand'.

Schwül war der Schlachten Luft,
Kühl ist die Sternennacht,
Tief ist die Kluft;
Unten da braust der Rhein,
Werft euch nur mutig drein,
Deutschland, der Feinde Sitz,
Seht ihr im Blitz.

Wohl wie ein Frühlingstag
Alles erwecken mag,
Also der Mut;
Deutsche sie wachen auf,
Geben den Handschlag drauf,
Schließen sich treulich an,
Danken's uns dann.

9

Der Fahnenjunker

Auf der Brücke der Junker die Fahne pflanzt,
Die Fahne wächst und wallet im Wind,
Der Todesreihen so schnelle geschwind
Um ihn im Wirbeldampfe tanzt,
Daß ihm der Augen Licht vergeht,
Doch mutig er bei der Fahne steht.

Und keiner waget sich hin zu ihm,
Er allein im Pulverblitz erschien.
Als der Tod ihn also nicht fassen kann,
Er greifet die gepflanzte Fahne an,
Die stehet so fest wie ein Eichenbaum,
Er streifet hinüber, ein leichter Traum.

Und als die Burschen sie stehen sehn,
In ihrem Herzen Flammen erstehn,
In ihrem Bart ein wildes Ergrimmen,
In ihrem Herzen ein blutig Beginnen,
Und wo der Junker mit der Fahne stand,
Der Sieg sich erst hat vom Feinde gewandt.

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