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Die Geschichte von dem Mann im Faß

Apuleius: Die Geschichte von dem Mann im Faß - Kapitel 1
Quellenangabe
typeerotica
authorApuleius
titleDie Geschichte von dem Mann im Faß
publisherVerlag der Nation
year1985
senderhille@abc.de
copyright(c) 1995 Hille+Partner
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Apuleius

(Italien, 125 – 180 n. Chr.)

Die Geschichte von dem Mann im Faß

In der Herberge, wo wir gastfreundlich aufgenommen wurden, erfuhren wir eine lustige Geschichte von einem armen Zimmermann, dem seine Frau auf die schnurrigste Weise von der Welt Hörner aufgesetzt hatte. Sie sei hier zum besten gegeben:

Ein armer Zimmergeselle, der nur kümmerlich sein Brot im Tagelohn verdiente, hatte ein Weib, die, aller Armut ungeachtet, wegen ihrer Sittenlosigkeit überall berüchtigt war. Eines Tages, als er früh auf seine Arbeit ging, huschte flugs zu ihr ein flinker Galan ins Haus.

Kaum waren aber beide zusammen und fingen voller Sicherheit an, der Liebe zu pflegen, siehe, da kehrte der Mann schon wieder heim, ohne daß er jedoch um etwas gewußt oder dergleichen sich versehen hätte; vielmehr, da er die Tür dicht und fest verschlossen und verriegelt fand, freute er sich in seinem Herzen über die strenge Eingezogenheit seines treuen Weibes. Er klopfte an und gab durch Pfeifen das Zeichen, daß er da sei. Wie der Blitz hatte sich das verschmitzte und auf solche Fälle ausgelernte Weib aus ihres Liebhabers intimster Umarmung frei gemacht und ihn in einem großen Fasse versteckt, das halb verschüttet und leer in einem Winkel stand.

Nun machte sie dem Manne auf; gleich in der Tür aber ließ sie ihn böse an. »Wie«, keifte sie, »müßig und mit leeren Händen kommst du wieder nach Hause? Pfui über dich Erzfaulenzer! Du magst nur immer die Hände in den Schoß legen und nicht einmal so viel arbeiten, daß wir unser elendes Leben erhalten können, während ich armes, betrübtes Weib mich Tag und Nacht mit Wollespinnen plage und mich abarbeite, damit wir nur in der Bude hier nicht im Finstern sitzen müssen! Wie weit glücklicher Nachbarin Daphne dagegen lebt! Vom frühen Morgen bis in die sinkende Nacht zecht, schlemmt und buhlt sie nach Herzenslust.«

Verblüfft über den Willkommen, begann der Mann gar schimpflich: »Na, na, gutes Weibchen, laß nur gut sein! Hat mir der Meister gleich keine Arbeit gegeben, weil er vor Gericht zu tun hatte, so ist heut darum doch für unser Sattwerden gesorgt. Denk, das alte Faß da, das uns nur überflüssig ist und im Wege steht, habe ich für drei Mark verkauft! Der Käufer wird das Geld dafür diesen Augenblick herbringen und es abholen. Komm, Schatz, und hilf es mir aus dem Wuste da hervorzuziehen, damit wir es ihm ausliefern können.«

Da galt Besonnenheit, und die fehlte der Abgefeimten nicht. Sie schlug ein spöttisches Gelächter an und rief: »Nun, das ist wahr, ein gar vortrefflicher Handelsmann bist du! Eine Sache, die ich dummes Weib, ohne einen Fuß vor die Tür zu setzen, soeben für fünf Mark verkauft habe, die weißt du doch noch für weniger loszuwerden!«

Wer war froher als der Mann über den unerwarteten Geldsegen! Hastig fragte er: »I, wer ist denn das, der es sich so teuer hat anschmieren lassen?«

»Pst«, sprach sie, »dort steckt er drinnen und untersucht, ob's auch ganz ist!«

Der Galan trat votrefflich in die Lüge ein. Ganz unbefangen reckte er den Kopf aus dem Fasse und sprach: »Die Wahrheit zu sagen, Mutter, euer Faß ist doch schon ziemlich alt, es hat hin und wieder ansehnliche Risse«. Darauf wendete er sich an den Mann und sagte ganz fremd zu ihm: »Guter Freund, holt mir einmal eine Lampe, ich will doch innen den Schmutz abkratzen und zusehen, ob das alte Ding wohl noch zu gebrauchen ist, denn wegwerfen möcht ich mein Geld doch auch nicht!«

Der arme Tropf, ohne daß ihn die Stirn juckte, ging und zündete unverzüglich die Lampe an und sprach: »Laßt mich das lieber machen, Kamerad! Warum wollt ihr euch bemühen?« Damit zog er sich aus und kroch, die Lampe in der Hand, an dessen Statt in das Faß und pochte und scharrte und schrappte es aufs emsigste aus. Unterdessen schmiegte sich der leichtfertige Buhle über seine Frau Zimmermann hin, die sich über das Faß gebückt hatte, und bezimmerte sie nach Herzenslust. Kopf und Arm in das Faß gehängt, zeigte sie dabei mit schamloser Verschlagenheit ihrem Manne bald hier, bald dort noch etwas zu säubern an; bis endlich Mann und Liebhaber beide ihr Werk vollendet hatten! Da zahlte dieser seine fünf Mark, und der arme Hahnrei mußte noch obendrein seinem Hörnerpflanzer das Faß auf dem Nacken nach Hause tragen.








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