Montag, 17.8.2009

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Sigmund Freud

Sigmund Freud wird am 6. Mai 1856 als Sigismund Schlomo Freud in Freiberg in Mähren geboren. Er ist der erstgeborene Sohn. Seine Eltern, der einundvierzigjährige jüdische Wollhändler Kallamon Jacob Freud und die zwanzig Jahre jüngere Amalia, geborene Nathanson, haben gemeinsam noch sieben weitere Kinder; sein Vater aus erster Ehe einen Sohn und eine Tochter.

1860 zieht die Familie nach Wien, wo Freud 1865, ein Jahr früher als üblich, auf das Gymnasium kommt, das er im Alter von 17 Jahren mit Auszeichnung abschließt.

1876 tritt er in das physiologische Laboratorium von Ernst Brücke ein, wo er bis 1882 tätig ist. In diesem Jahr lernt er Martha Bernays kennen und verlobt sich kurz darauf mit ihr. Ohne Aussicht auf eine schnelle wissenschaftliche Karriere entschließt er sich, auch im Hinblick darauf, seiner zukünftige Frau ein gut versorgtes, bürgerliches Leben bieten zu wollen, zur Eröffnung einer Privatpraxis.

Ab 1883 ist er am Wiener Allgemeinen Krankenhaus tätig, er forscht dort u. A. an den Wirkungen des Kokains. Nach einer Studienreise nach Paris, wo er an der Salpêtrière über Hysterie, Hypnose und Suggestion Anschauungsunterricht erhält, eröffnet er 1886 seine Privatpraxis und heiratet Martha Bernays. Aus der Ehe gehen sechs Kinder hervor: Mathilde, Oliver, Jean-Martin, Ernst, Sophie und Anna.

1902 wird er zum ordentlichen Titularprofessor ernannt und sammelt erste Schüler um sich. Mit Alfred Adler, Max Kahane, Rudolf Reitler und Wilhelm Stekel wird die Psychologische Mittwochsgesellschaft gegründet, aus der 1908 die Wiener Psychoanalytische Vereinigung hervorgeht. Freuds Ideen und Schriften erfahren zunehmend öffentliche Anerkennung.

In den folgenden Jahren wird die Psychoanalyse zu einer international anerkannten Wissenschaft. 1909 hält Freud in den Vereinigten Staaten eine Reihe von vielbeachteten Vorträgen, 1910 wird auf dem Psychoanalytischen Kongress in Nürnberg die Internationale Psychoanalytische Vereinigung gegründet und Freuds Schüler Jung zum Präsidenten gewählt. Beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 nimmt Freud zuerst eine patriotische Haltung an, die sich aber bald, auch aus Angst um seine Söhne Martin und Ernst, die sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet haben, ändert.

Nach Ende des Krieges, der auch der Familie Freud große Entbehrungen abverlangte, hinterließ ein ehemaliger Patient und Förderer Freud eine große Geldsumme, die ihn in die Lage versetze, einen eigenen Verlag zu gründen: den Internationalen Psychoanalytischen Verlag.

In den zwanziger Jahren wird seine Tochter Anna, anerkanntes Mitglied der Psychoanalytischen Gesellschaft, zu seiner wichtigsten Mitarbeiterin. 1924 erscheint der erste der zwölf Bänder der »Gesammelten Schriften«.

In den dreißiger Jahren werden Freuds Person und sein Werk immer stärkeren Anfeindungen ausgesetzt. 1933 übernehmen die Nationalsozialisten die Macht; der Bücherverbrennung im Mai fallen auch Freuds Werke zum Opfer.

Nach dem »Anschluß« Österreichs im März 1938 wird die Wohnung in der Bergasse durchsucht und Tochter Anna von der Gestapo zum Verhör abgeführt. Wenige Monate später emigriert die Familie Freud nach London. Am 23. September 1939 stirbt Sigmund Freud in seinem Londoner Haus.


Werke:

  • 1893 Freud und Breuer: ›Über den psychischen Mechanismus hysterischer Phänomene‹
  • 1893 Vortrag: ›Über den psychischen Mechanismus hysterischer Phänomene‹
  • 1895 Über die Berechtigung, von der Neurasthenie einen bestimmten Symptomenkomplex als »Angstneurose« abzutrennen
  • 1895 Freud und Breuer: Studien über Hysterie
  • 1900 Die Traumdeutung
  • 1901 Zur Psychopathologie des Alltagslebens
  • 1905 Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten
  • 1905 Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie
  • 1905 Bruchstück einer Hysterie-Analyse
  • 1906 Meine Ansichten über die Rolle der Sexualität in der Ätiologie der Neurosen
  • 1907 Zwangshandlungen und Religionsübungen
  • 1908 Charakter und Analerotik
  • 1908 Über infantile Sexualtheorien
  • 1908 Die »kulturelle« Sexualmoral und die moderne Nervosität
  • 1908 Der Dichter und das Phantasieren
  • 1909 Allgemeines über den hysterischen Anfall
  • 1909 Analyse der Phobie eines fünfjährigen Knaben
  • 1909 Bemerkungen über einen Fall von Zwangsneurose
  • 1910 Über Psychoanalyse
  • 1910 Über den Gegensinn der Urworte
  • 1910 Die psychogene Sehstörung in psychoanalytischer Auffassung
  • 1911 Psychoanalytische Bemerkungen über einen autobiographisch beschriebenen Fall von Paranoia (Dementia paranoides)
  • 1912 Über neurotische Erkrankungstypen
  • 1912–13 Totem und Tabu
  • 1913 Ein Traum als Beweismittel
  • 1914 Zur Einführung des Narzißmus
  • 1914 Zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung
  • 1915 Die Verdrängung
  • 1915 Das Unbewußte
  • 1915 Mitteilung eines der psychoanalytischen Theorie widersprechenden Falles von Paranoia
  • 1917 Über Triebumsetzungen, insbesondere der Analerotik
  • 1917 Metapsychologische Ergänzung zur Traumlehre)
  • 1917 Trauer und Melancholie
  • 1918 Aus der Geschichte einer infantilen Neurose
  • 1919 Das Unheimliche
  • 1920 Jenseits des Lustprinzips
  • 1921 Massenpsychologie und Ich-Analyse
  • 1923 Das Ich und das Es
  • 1923 Die infantile Genitalorganisation
  • 1924 Das ökonomische Problem des Masochismus
  • 1924 Der Untergang des Ödipuskomplexes
  • 1925 Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschieds
  • 1926 Hemmung, Symptom und Angst
  • 1927 Die Zukunft einer Illusion
  • 1927 Fetischismus
  • 1930 Das Unbehagen in der Kultur
  • 1939 Der Mann Moses und die monotheistische Religion


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