Flaubert wurde am 12. Dezember 1821 in Rouen geboren. Sein Vater war Chirurg. Flaubert wuchs ohne Zuneigung auf, da er ein ungewolltes Kind war. Er galt in der Familie als dumm und zurückgeblieben. Auf Drängen seines Vaters nahm er in Paris das Jurastudium auf, folgte aber gleichzeitig seinen literarischen Neigungen.
Wegen des Ausbruchs einer Nervenkrise brach er 1844 seine erfolgloses Studium ab. Es folgten Reisen nach Korsika, Italien, Griechenland, dem Orient und Nordafrika. Seit 1864 lebte er in selbstgewollter Isolation in Croisset, wo er am 8. Mai 1880 starb.
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Zum 100. Geburtstag von Flaubert am 11. Dezember 1921 schrieb Carl von Ossitzky:
Heute vor 100 Jahren wurde in Rouen der größte französische Romancier seit Balzac geboren. Flaubert gehört ebenso wie Dostojewski zu den Gestalten, die für die gesamte moderne Literatur zum Schicksal geworden sind. In Deutschland sind Künstler wie z.B. Heinrich Mann und Max Brod, von vielen kleineren zu schweigen, ohne Flauberts Vorgang nicht denkbar. Es ist sein Verdienst, daß er den sozialen Realismus Balzacs von allem romanhaft überladenen Beiwerk befreite und mit dem kühnen Psychologismus eines Stendhal verband und in eine kristallklare durchsichtige Form brachte. Flaubert ist einer der größten Seelenkenner der Weltliteratur, zugleich einer der unermüdlichsten Kämpfer um den reinen Stil. Sein meistgelesenster und heute bereits klassisch gewordener Roman Madame Bovary, die Geschichte eines unglücklichen, an einem moralischen Defekt zugrunde gehenden Weibes, das zu einem Spielzeug lüsterner Männer wird, bedeutet einen Höhepunkt der Seelenmalerei, den keiner seiner Nachfolger erreicht hat und der sich durchaus auf der Linie der großen Russen hält. Flaubert, kränkelnd und menschenscheu, hielt sich von dem Getriebe der Welt fern; zu Lebzeiten war sein Ruhm nicht unbestritten und ein Pariser Brunner von 1857 erreichte es, daß die Bovary ein Verfahren wegen Unzüchtigkeit erdulden muß;te. Unter Flauberts späteren Werken sind noch zu nennen die Salambo, der in einem kalten Glanze strahlende Karthagerroman, die Drei Erzählungen mit der Herodias, der Vorlage für Oskar Wildes Salome&, und die Education sentimentale, in Deutschland gewöhnlich die Geschichte eines jungen Mannes benannt. In seinen Spätwerken wird Flauberts strenge Naturtreue und mitleidlose Objektivität oft von einem melancholischen Lyrismus überschattet. Er starb 1880 in Rouen. Seine Meisterschaft ist heute durchaus anerkannt, in Deutschland namentlich scheint er den viel gröberen Zola endgültig verdrängt zu haben.
Berliner Volks-Zeitung, 11. Dezember 1921